Instituto Nacional Diriangen
La Biblioteca Heinrich Boell
Kleiner Bericht ueber die Situation und den Zustand der Heinrich-Boell-Bibliothek:
Erst einmal moechte ich erwaehnen, dass die Bibliothek ein ganz tolles Projekt der HBS ist und dass die Schulgemeinde des Diriangen sehr stolz auf ihre Bibliotek sein kann. Der Buecherbestand ist enorm auch wenn viele Buecher bereits sehr alt sind, und manche dieser alten Buecher kaum noch oder gar nicht mehr genutzt werden. Trotzdem gilt die H.B. Bibliothek als die Beste in Diriamba. Ich bin gluecklich darueber in eben dieser Bibliothek zu “arbeiten” und meinen Teil zur Inbetriebhaltung und Ordnung dort beitragen zu koennen.
Der momentan verantwortliche Lehrer ist Professor Eduardo. Er musste im letzten Schuljahr jedoch teilweise auch unterrichten. Von daher war es fuer ihn nicht immer moeglich, seiner Arbeit in der Biblithek nach zu gehen. Dieses Jahr ist er aber wieder voll und ganz in der Bibliothek eingesetzt. Man “munkelt” allerdings, dass es moeglich ist, dass er im Laufe dieses Schuljahres an eine andere Schule versetzt wird, da es eine etwas aeltere und kraenklichere Lehererin gibt, die es leichter haette in der Bibliothek zu arbeiten als zu unterrichten.
Eduardo ist relativ flexibel was diese Entscheidung betrifft, sagt jedoch, dass ihm die Arbeit in der H.B. Bibliothek grosse Freude bereitet und es schade waer, wenn er diese aufgeben muesste. Seine Aufgaben sind in erster Linie das Verleihen von Buechern oder anderen Arbeitsmaterialien, aber auch fuer die Ordnung in der Bibliothek zu sorgen. D.h. er muss die Buecher regelmaessig ordnen, neue Buecherlieferungen vom Ministerium entgegennehmen und einsortieren und insgesamt alles sauber und in Odnung halten. Ausserdem hilft er den Schuelern , wenn sie ein bestimmtes Thema suchen aber im Buch nicht finden koennen.
In meiner Zeit am IND habe ich den Eindruck gewonnen, dass die H.B.B. viel genutzt wird und zwar nicht nur von Lehrern und Schuelern des IND, sondern auch von Schuelern die von anderen Schulen kommen und teilweise einen sehr weiten Weg auf sich nehmen muessen. Die Bibliothek ist von morgens um 8.00h bis nachittags um 14.00/15.00h geoeffnet. Am Morgen kommen teilweise auch ganze Schuelergruppen mit dem jeweiligen Lehrer in die Bibliothek um selbststaendig mit den Buechern fuer das jeweilige Fach zu arbeiten.
Durch den grossen Lesesaal kann der Raum auch fuer andere Aktivitaeten genutzt warden. Z.B. Elternsprechtage, Versammlungen etc. Letzte Woche fand in diesem Saal eine Blutspende-Akion vom Roten Kreuz ( cruz roja )statt.
Was den Zustand des Gebaeudes betrifft, sieht es etwas schlechter aus. Besonders das Dach des Lesesaals sowie das der Buecherei ist in einem sehr schlechten Zustand. Es ist undicht und, wenn es regnet, tropft es hinein. Das sind natuerlich schlechte Lern-und Arbeitsbedingungen und ausserderm werden die Buecher teilweise nass. Auch in der Trockenzeit bringt das Blechdach Probleme mit sich, denn im Lesesaal ist es unertraeglich heiss.
Elektrizitaet ist im gesamten Gebaeude nur teilweise oder phasenweise vorhanden.
Das Mobiliar ist bereits sehr alt, wird aber nach wie vor noch genutzt, weil die Mittel fehlen, um neues zu kaufen. So sind z.B. die Tische und Stuehle im Lesesaal uralt und koennten einen neuen Anstrich gebrauchen. In der Buecherei stehen die tollen Buecher in alten und morschen Regalen, die ggf. auch nicht mehr lange halten.
Ein weiteres Manko sind die Fenster der Bibliothek, die sehr dreckig und teilweise kaputt sind (fehlende Fensterscheiben, kein Oeffnen moeglich etc.).
Auch die Gitter vor den Fenstern sind sehr rostig und Eduardo meint, sie braeuchten auch mal wieder eine Reinigung und ggf. einen neuen Anstrich.
Eduardo wuenscht sich fuer die Bibliothek einen Projektor, um den Schuelern so Praesentationen zeigen zu koennen ( Filme, Fotos, Daten etc.) Er meint ausserdem, er benoetige einen Computer, um das Inventar einfacher verwalten zu koennen.
Was die Bibliothek auch immer gebrauchen kann, sind aktualisierte Buecher auf dem neuesten Wissensstand und Unterrichtsmaterialien fuer die Lehrer, um den Unterricht anschaulicher zu gestalten.
Was das Denkmal für Wolfram und Wulf betrifft, denke ich, kann man sagen, dass es in einem guten Zustand ist. Nach wie vor treten Schueler naeher an das Denkmal heran, um es sich genauer zu betrachten.
Wie gesagt, die H.B. Bilbliothek ist ein tolles Projekt, allerdings nicht zu vergleichen mit unseren Schulbuechereien in Deutschland…
Diesen Bericht habe ich nach einem Interview mit Eduardo erstellt und von daher auch seine Meinung versucht wieder zu geben und nicht nur das berichtet, was mir persoenlich aufgefallen ist.
Diriamba, im März 2010 Natalie Brönner
Besuch aus Nicaragua 2009
Hanauer Anzeiger vom 9.7.2009 (zum Vergrößern 2x anklicken)
Gegenbesuch aus Nicaragua 2009
Der Schulleiter der Partnerschule Instituto Nacional Diriangen in Diriamba / Nicaragua wird zusammen mit einem weiteren Kollegen die Heinrich-Böll-Gesamtschule in Bruchköbel vom 24. Juni bis zum 8. Juli 09 besuchen.
Dies ist der 10. Gegenbesuch seit 1990. Die seit über 23 Jahren bestehende Schulpartnerschaft wird eine weitere Vertiefung und Festigung erfahren.
Im Mittelpunkt des Besuches steht natürlich die Heinrich- Böll-Gesamtschule. Hier finden Gespräche mit Schulleitung und Lehrerschaft, sowie mit Schülern und Eltern statt. Geplant werden soll auch der 13. Besuch einer Schüler-, Eltern- Lehrergruppe im Sommer 2010 in Diriamba. Eine frühzeitige Planung einer solchen Studienreise ist Voraussetzung, um Zuschüsse für die Jugendlichen von den verschiedenen Organisationen zu bekommen und um die Gruppe optimal vorbereiten zu können.
Neben dem umfangreichen Programm in der Schule werden die beiden Nicaraguaner auf der politischen Ebene aktiv und besuchen den Bürgermeister von Bruchköbel, den Oberbürgermeister von Hanau und den Landrat des Main-Kinzig-Kreises. Hier wird es um die entwicklungspolitische Zusammenarbeit gehen. Der Main-Kinzig-Kreis und die Stadt Hanau unterstützen seit vielen Jahren Diriamba z. B. in der Trinkwasserversorgung und im Bau von Latrinen.
Einen festen Platz im Programm stellen schon seit vielen Jahren die Hanauer Märchenfestspiele da. Dieses mal werden die Gäste das Musical „Dornröschen“ im Amphitheater erleben.
Die Kosten für Reise und Aufenthalt werden vom Förderverein der Böll-Gesamtschule, der Stadt Bruchköbel, dem Hessischen Kultusministerium, dem GEW Kreisverband Hanau und der GEW Bundesorganisation getragen.
Nicaragua-Reise 2008
Hanau, 01. August 2008
Lebendige Schulpartnerschaft
Im Rahmen der seit mehr als 22 Jahren bestehenden Schulpartnerschaft waren im Juni / Juli 2008 wieder Schüler, Lehrer und Eltern der Heinrich-Böll-Gesamtschule und des Lichtenberg-Oberstufen-Gymnasiums aus Bruchköbel zu einer Studienfahrt nach Nicaragua zur Partnerschule Instituto Nacional Diriangen unterwegs.
Neben den touristischen Programmpunkten – wie Besuche von Vulkanen und Seen, der Insel Ometepe im Nicaragua-See, der Städte San José in Costa Rica, Managua, Masaya, Granada, Matagalpa, Esteli in Nicaragua - ist allen noch der überaus herzliche Empfang in Diriamba in bester Erinnerung. Willkommen bei Freunden – und die sind in Diriamba sehr zahlreich - so könnte man den 14-tägigen Aufenthalt beschreiben
Wichtigster Treffpunkt der zehnköpfigen Reisegruppe war wiederum das Ökologische Museum. Dort traf man sich zum täglichen Erfahrungsaustausch und freute sich über das neu gebaute hohe Dach, das von der Stadt Hanau finanziert worden war. Es steht jetzt für regensichere Konferenzen und Versammlungen bei angenehmeren Temperaturen zur Verfügung Das " museo ecologico “ hat sich vor allem die Umweltbildung für Kinder und Jugendlichen als Schwerpunkt vorgenommen und wird jährlich von ca.60.000 Personen besucht..
Ein Treffen mit dem Stadtteil-Comitee „ 26. Februar “ war überaus herzlich, hatten doch vor 3 Jahren der Main-Kinzig-Kreis und die Stadt Hanau dort ein Trinkwasserprojekt finanziert. Über 150 Familien haben seitdem Trinkwasseranschlüsse in ihren Häusern. Die 5 Vertreter des Comitees drückten ihre Dankbarkeit für diese gewaltige Verbesserung ihrer Lebensbe-
dingungen aus und betonten, dass sich dadurch der Gesundheitszustand vor allem der Kinder und die Arbeitssituation der Frauen erheblich verbessert habe. Einen dringenden Projektvorschlag gaben sie der Delegation mit auf den Weg nach Deutschland: In ihrem Stadtteil fehlen noch etwa 70 Latrinen d.h. über 400 Menschen verrichten ihre Notdurft irgendwo im Stadtteil. Ein Familienvater schilderte diese unwürdige Situation mit drastischen Worten und hob vor allem die Gesundheitsgefährdung für die Kinder hervor.
Ein weiteres riesiges Problem für die Stadt Diriamba schilderte der Bürgermeister Fernando Baltodano . Der größte Arbeitgeber in Diriamba – eine Freihandelszone ( zona franca ) für die Textilproduktion – mit über 2000 Arbeitsplätzen hat schon seit 3 Monaten keine Löhne mehr ausgezahlt. Deswegen gab es vor den Werkstoren große Demonstrationen der überwiegend weiblichen Beschäftigten. Die Tore sind besetzt, damit keine Maschinen abtransportiert werden können, da durchsickerte, dass der südkoreanische Besitzer dieses Werk komplett aufgeben wird. Der Bürgermeister versucht über Verhandlungen, dies zu verhindern oder einen neuen Konzern für Diriamba zu gewinnen. Er vermutet, dass der koreanische Konzern sich in ein noch billigeres Lohnland verabschieden wird. Eine Entwicklung, die weltweit zu beobachten ist.
In der Partnerschule Instituto Nacional Diriangen erlebten die Deutschen einen nicht so reibungslosen Schulleiterwechsel. So war die Schule 8 Tage von einer kleinen Schülergruppe
besetzt. Sie forderten, dass der alte Schulleiter bleiben sollte. Letztendlich setzte sich das Erziehungsministerium mit seiner Entscheidung durch.
Nach wie vor ist die mit Mitteln des hessischen Wirtschaftsministeriums errichtete Biblioteca Heinrich Böll mit über 4000 Büchern für das Lernen der über 650 Schülern sehr notwendig und wichtig. Für den Kauf von Büchern konnte die Delegation über 700 US $ übergeben, gesammelt in der Heinrich-Böll-Gesamtschule und im Lichtenberg-Oberstufen-Gymnasium.
Seit über einem Jahr können die Schüler des Institutos eine Doppelqualifikation erwerben. Neben dem Abitur nach 11 Jahren können sie zusätzlich eine landwirtschaftliche Ausbildung mit Zertifikat erwerben. Die Schule besitzt dafür landwirtschaftliche Flächen, Obst- und Gemüseanbau sowie Viehzucht mit Hühnern, Kühen, Schweinen und Pferde. Dieses Projekt wird seit einem Jahr vom Ministerium für Landwirtschaft unterstützt. Der erste ausgebildete Jahrgang wird Ende 2010 die Schule verlassen.
Voller Eindrücke und Erfahrungen kehrten die Delegation Mitte Juli nach fast 4-wöchiger Reise wohlbehalten nach Deutschland zurück. Ein wichtiges Ergebnis unter anderem war , dass die vom Main-Kinzig-Kreis und der Stadt Hanau zur Verfügung gestellten Projektgelder nachhaltig zur Verbesserung der Lebensbedingungen angelegt worden sind. Dies wird die Delegation dem Landrat des MKK und dem Oberbürgermeister der Stadt Hanau berichten.
Wulf Hilbig
Der Hanauer Anzeiger schreibt am 11.6.2008:
Zum Lesen anklicken (vergrößert den Artikel im eigenen Fenster)
Das Institituto Nacional Diriangen
Das Institituto Nacional Diriangen, kurz IND, ist unsere Partnerschule in Diriamba (Nicaragua).
580 Schülerinnen und Schüler gehen im IND zur Schule. Das Instituto umfasst die Sekundarstufen I und II. Nach der 11. Klasse hat man in Nicaragua das Abitur.
Diriangen liegt im südlichen Teil Diriambas. Auf dem Grundstück befindet sich die Biblioteca Heinrich-Böll, die von der Heinrich-Böll-Schule unterstützt wird. Außerdem sind dort 3 Gebäude mit je 6 Klassenzimmern und ein weiteres Gebäude mit dem Sekretariat, dem Büro der Schulleiterin und einem Abstellraum (z.B. für alte Stühle, Musikinstrumente...). Es gibt auch zwei Toilettenhäuschen, einen Kiosk und einen Schulgarten mit einer vielfältigen, exotischen Pflanzenwelt, sowie zwei Sportplätze.
Nähere Informationen finden sie hier.
20 Jahre Schulpartnerschaft! 1986-2006
An der 11. Studienfahrt seit 1986 nahmen im Sommer 2006 16 Jugendliche im Alter von 14 – 19 Jahren und 4 Lehrkräfte ( 3 davon in der Altersteilzeit ) teil. Es ist die größte „Schüler-/Lehrer-Brigade“ seit 1986 gewesen. Wie schon immer meldeten sich überwiegend Schülerinnen für diese Fahrt ( 12 Schülerinnen, 4 Schüler ), vor allem aus der Mittelstufe ( 13 Schülerinnen ). Die Gründe dafür liegen auch in der Zunahme des Interesses an der spanischen Sprache in der Sekundarstufe und in dem intensiven Werben der Spanisch-Lehrkräfte für das außergewöhnliche Partnerschaftsprojekt.
Vor zwanzig Jahren belächelt, nicht ernst genommen, sogar als unverantwortliches Vorhaben abgelehnt oder als Polit-Tourismus verteufelt, entwickelte sich die Schulpartnerschaft mit dem Instituto Nacional Diriangen in Diriamba / Nicaragua immer intensiver und wurde von Jahr zu Jahr stabiler. Dazu haben vor allem die Austausch-Fahrten sowohl nach Nicaragua wie auch nach Deutschland ( 8 Gegenbesuche ) beigetragen. Insgesamt besuchten mittlerweile über 60 Jugendliche und 14 Lehrkräfte des Instituto N. Diriangen Deutschland. Mehr als 110 Jugendliche aus Bruchköbel und Umgebung und 6 Lehrkräfte der Böll-Gesamtschule erkundeten Diriamba und Nicaragua in den letzten 20 Jahren. Daraus sind viele Freundschaften entstanden, die im elektronischen Zeitalter intensiv gepflegt werden und die Partnerschaft mit Leben erfüllen.
Die Heinrich-Böll-Gesamtschule Bruchköbel trägt unter anderem wegen dieser außergewöhnlichen Partnerschaft den Titel UNESCO-Projekt-Schule und ist somit mit über 6000 Schulen global vernetzt. Wichtigster Partner in Sachen Projektbetreuung in Nicaragua ist das kleine Nichtregierungsorganisationsbüro (NGO ) ADECA in Jinotepe/ Nicaragua. Seit 1990 unterstützt ADECA die deutschen Reisegruppen und die Jugendlichen, die ein soziales Jahr in Diriamba absolvieren, vor Ort. Der Gründer und langjährige Leiter von ADECA Sen. Fernando Fernandez war als damaliger Bürgermeister von Diriamba 1985 maßgeblich an dem Aufbau der Schulpartnerschaft beteiligt. Er verstarb leider 2003. In Diriamba bestehen gute Beziehungen zur Stadtführung, zur Lehrergewerkschaft ANDEN, zum Erziehungsministerium, zur Frauenorganisation AMNLAE, zur Partei FSLN und verschiedenen Stadtteilkomitees.
Die Nicaragua-AG arbeitet im Rahmen der Partnerschaft auf nationaler Ebene mit folgenden Städten, Kreisen, Gewerkschaften, Kirchen und Institutionen zusammen:
Stadt Bruchköbel, Stadt Hanau, Main-Kinzig-Kreis,
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft ( GEW-Kreis-und Bundesverband ) in Hanau und Frankfurt,
DGB-Nord-Süd-Forum in Düsseldorf,
Ausschuss entwicklungsbezogener Bildung und Publizistik (ABP) der evangelischen Landeskirchen in Bonn,
ökumenische Werkstatt in Langenselbold,
hessisches Wirtschaftsministerium in Wiesbaden,
hessisches Kultusministerium in Wiesbaden,
Nicaragua-Initiative Hanau,
Hessenkoordination der Nicaragua-Vereine und Initiativen,
Lichtenberg-Oberstufen-Gymnasium Bruchköbel,
Nicaragua-Verein Saarbrücken.
Die Aufzählung ist sicher nicht vollständig, zeigt jedoch das Netzwerk auf, indem sich dieses Projekt international und national bewegt. Die intensiven privaten und familiären Beziehungen sind außergewöhnlich vielfältig.
Ein entwicklungspolitisches Projekt gehört noch besonders erwähnt: Vor zwei Jahren erlebte die 10. Reisegruppe in dem Stadtviertel 26. Februar eine Bürgerversammlung mit. Die überwiegend anwesenden Frauen des Stadtteiles beklagten die Situation der Trinkwasserversorgung - 1 Wasserhahn für 150 Familien – und schimpften auf die untätige Stadtverwaltung und die staatliche Wasserversorgungsbehörde ENACL. Wir nahmen diesen Projektvorschlag – ausgearbeitet von ADECA – mit nach Deutschland, präsentierten ihn dem Landrat des MKK und dem Oberbürgermeister der Stadt Hanau. Ende 2004/ Anfang 2005 konnten wir insgesamt 15000 US $ nach Diriamba überweisen. Während unseres diesjährigen Aufenthaltes konnte die Reisegruppe sich von dem Erfolg des Trinkwasserprojektes überzeugen: 130 Familien mit über 700 Menschen, darunter sind die Mehrheit Kinder, haben seit dem 1. Februar 2006 sauberes, gesundes Wasser in ihren Häusern. Die äußerst dankbaren Familien gaben uns erneut einen Projektvorschlag, dieses Mal zum Bau von 150 Latrinen mit.
Die Jugendlichen absolvierten wiederum ein volles, interessantes Programm in Nicaragua und suchten nach Spuren der 20 Jahre alten Schulpartnerschaft. Sie waren das fliegende, das schwimmende, das fahrende, das wandernde Klassenzimmer. Vier intensive Wochen in einem fremden Land in Entwicklung, in einer fremden Kultur, in einer fremden Sprache haben sie gewaltig gefordert und gefördert.
Diese Dokumentation versucht, diese Erfahrungen dem Leser, der Leserin zu vermitteln.
Gabriele Laas, Wolfram Krause, Hans-JürgenTaube, Wulf Hilbig
11. Studienreise nach Diriamba ..
... in Nicaragua im Sommer 2006
Seit Oktober 05 befinden sich 16 Jugendliche der Heinrich-Böll-Gesamtschule und des Lichtenberg-Oberstufengymnasiums in Bruchköbel in intensiver Vorbereitung auf die 11. Studienfahrt seit 1986 zur Partnerschule Instituto Nacional Diriangen in Nicaragua. Die 14 bis 18 jährigen Jugendliche haben bereits ein Wochenendseminar in der Jugendherberge Geislitz u. a. auch zur Vorbereitung in der spanischen Sprache hinter sich und fiebern zur Zeit dem Abflug am 10. Juli 06 entgegen. Mit Condor reist die Gruppe von Frankfurt über Havanna nach San Jose in Costa Rica. Von dort geht die Fahrt nach einem 1 tägigen Aufenthalt in San Jose über die Pan Americana in einer 8 stündigen Busreise nach Diriamba. Zur Aufbesserung der Reisekasse führten die 16 Jugendlichen am 10. Juni ein Rockkonzert in Roßdorf durch, verkauften auf Flohmärkten Kleider, Spielsachen und Bücher, versorgten die Eltern am Elternsprechtag in der Heinrich-Böll-Gesamtschule mit Cafe und Kuchen und stellten Anträge auf Unterstützung bei der Stadt Bruchköbel, beim Main-Kinzig-Kreis, bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, bei den Grünen des Kreises sowie bei den Fördervereinen der beiden Schulen.
In diesem Jahr steht die Studienfahrt ganz im Zeichen des 20. Geburtstages, denn im Sommer 1986 reiste zum ersten Mal eine Schüler-Lehrer-Gruppe nach Diriamba zu einer Zeit, da noch die Revolutionsregierung an der Macht war und der schmutzige Contra- Krieg vor allem im Norden des Landes tobte.
Die Jugendlichen werden überwiegend einzeln in einer durchschnittlichen nicaraguanischen Familie d.h. unter schwierigeren Bedingungen als zu Hause leben, am Unterricht der Partnerschule teilnehmen, Diriamba erkunden und dort entwicklungspolitische Projekte, die aus der Stadt Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis finanziert worden sind, sowie aktive Vulkane, Lagunen, den Nicaragua-See, die Pazifikküste und verschiedene Städte wie z.B. Granada- Partnerstadt von Frankfurt besuchen.
Schwerpunktthema wird jedoch dieses mal das Thema „Welche positiven und negativen Veränderungen hat die zwanzigjährige Partnerschaft im Instituto Nacional Diriangen, in Familien und in Diriamba bewirkt?“ sein. Hier geht es vor allem um Interviews mit jungen Nicaraguanern, die im Rahmen der Schulpartnerschaft Deutschland besuchen konnten und in der Regel über ein Stipendium -aus Bruchköbel finanziert- studieren konnten, um Gespräche mit Verantwortlichen der Stadtregierung von Diriamba über Hausbau-, Trinkwasser-, Latrinen-, Bibliotheksprojekte, und Katastrophenhilfe aus dem Main-Kinzig-Kreis.
Über all diese Erfahrungen wird die Schüler-Lehrer-Gruppe nach ihrer Rückkehr Mitte August im Herbst der Schulgemeinde in Bruchköbel und darüber hinaus berichten. Es wird wie immer eine ausführliche Dokumentation über den 4 wöchigen Aufenthalt, eine Fotoausstellung und ein kleiner Videofilm erstellt werden.
Besuch aus Nicaragua 2009
Hanauer Anzeiger vom 9.7.2009 (zum Vergrößern 2x anklicken)
Gegenbesuch der Nicaraguaner
Nicaragua – AG Bruchköbel, 8. August 2007
Heinrich-Böll- Gesamtschule
63486 Bruchköbel
Inhaltlicher Bericht zum Aufenthalt der nicaraguanischen Schüler-/Lehrer-
Delegation in Bruchköbel / Main-Kinzig-Kreis vom 19. 6. – 11. 7. 2007
Vorbereitung:
Die Vorbereitung des 9. Gegenbesuchs begann unmittelbar nach Rückkehr von der 11.Studienreise nach Diriamba im September 2006. Darüber liegt bereits ein ausführlicher Bericht vor.
Durchführung:
Am 19. Juni 07 empfingen wir 5 Jugendliche und zwei Lehrkräfte ( darunter der Direktor) des Instituto Nacional Diriangen aus Diriamba auf dem Frankfurter Flughafen. Alle gastgebenden Familien und die verantwortlichen Lehrer und AG-Mitglieder der Heinrich-Böll-Gesamtschule waren anwesend. Anschließend wurde die Gruppe dem Kollegium vorgestellt und der Schulleiter wünschte den Gästen einen interessanten Aufenthalt. Der Direktor Orlando Romero bedankte sich für die Einladung der Delegation und hob die besondere Bedeutung des 9. Besuches für die Schulpartnerschaft hervor. Ein besonderes Highlight des Empfanges war die Teilnahme der Gäste an der Präsentation der Clownsschule aus Granada, Nicaragua, die im Rahmen der Kinderkulturkarawane an der Böll-Gesamtschule gastierten. An die Vorführung schloss sich ein gemeinsames Mittagessen und ein interessanter Erfahrungsaustausch an. Geplant ist ein Auftritt der Artisten auch in Diriamba.
Schon am nächsten Tag traf sich die Delegation – wie jeden Tag in den folgenden 3 Wochen – in der Böll-Gesamtschule, um ihre ersten Erfahrungen vor allen in den Gastfamilien aus zu tauschen und orientierende Informationen auf zu nehmen. Orientierung in der Schule und in Bruchköbel war angesagt. Ebenfalls wurde das deutsche Bildungssystem und die Sonderrolle der integrierten Gesamtschule besprochen. Des Weiteren wurde die Stadt Bruchköbel vorgestellt.
Ein erster Höhepunkt war die offizielle Willkommensfeier in der Schule. Alle 43 Klassensprecher und die Spanisch-Kurse waren anwesend. Sie erlebten eine interessante Feier mit musikalischen, tänzerischen und informativen Darbiet- ungen.
In der Gesamtschule war die Präsenz der nicaraguanischen Gruppe überall spürbar: die Spanisch-Kurse und andere Klassen luden die Gäste in den Unterricht ein und befragten sie intensiv. Die nicaraguanischen Jugendlichen stellten umgekehrt viele Fragen an die deutschen Jugendlichen.
An einem anderen Vormittag besuchten sie das benachbarte Oberstufen-Gymnasium, nahmen am Mathematik-/ Politik- und Spanischunterricht teil.
Einen sehr schönen Empfang gab es -schon traditionell- in Langenselbold durch die Schulgemeinde der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule.
Auf der politischen Ebene trafen die Gäste auf den Bürgermeister H. Roth und Frau Veith von der Stadt Bruchköbel, die ihnen vor allem die Freizeitangebote für Jugendliche durch die Stadt vorstellten. Bürgermeister Roth versprach die weitere Unterstützung der Partnerschaft durch die Stadt.
Der Landrat des Main-Kinzig-Kreises H. Pipa empfing die Nicaraguaner im Main-Kinzig-Forum. Die Delegation nahm an einer Kreistagssitzung und einer anschließenden Pressekonferenz teil (s. Anlage). Der Main-Kinzig-Kreis sagte weitere entwicklungspolitische Zusammenarbeit zu und die Gäste bedankten sich im Namen der Stadt Diriamba für die geleistete Projektunterstützung.
Die guten Beziehungen der Stadt Hanau mit Diriamba standen im Mittelpunkt des Besuches beim OB Kaminski (s. Anlage).
Ein Treffen mit dem Vorsitzenden der GEW Kreisverband Hanau Herrn Bayer hatte die Situation des Erziehungswesens und die Lage der LehrerInnen in Nicaragua zum Mittelpunkt. Die beiden nicaraguanischen Kollegen bedankten sich sehr herzlich für die jahrelange Zusammenarbeit und Unterstützung durch den KV Hanau für die Lehrergewerkschaft ANDEN. Deutlich hervorgehoben wurde von den Kollegen aus Diriamba, dass die neue nicaraguanische Regierung die Privatisierung im Bildungsbereich sofort zurückgenommen und die Gehälter der Lehrer angehoben hat.
Zum Schwerpunktthema „Klimawandel“ gab es einen interessanten Informationsaustausch. Von nicaraguanischer Seite wurden gut vorbereitete Referate zur Situation in Nicaragua vorgestellt. Fazit ist, das Nicaragua stark unter Klimaveränderungen leidet, ohne selbst dafür verantwortlich zu sein. Dazu gehören Verschiebung und Verlängerung der Regenzeit, häufigere Überschwemmungen und Wirbelstürme an der Atlantikküste, dagegen Trockenheit
in der Pazifikregion. Das ökologische Bewusstsein in der Bevölkerung, in der Politik und in der Wirtschaft ist unterentwickelt. Darüber hinaus fehlt es an finanziellen Möglichkeiten des Staates. Ausländische Investoren investieren nicht in alternative Energieproduktion. Dabei verfügt Nicaragua über reichlich Sonnen-, Wind- und geothermische Energie.
Die Gäste nahmen die Erkenntnis mit, dass auch Deutschland durch den Klimawandel betroffen ist und Gegenmaßnahmen mit hohem technologischen und finanziellen Aufwand eingeleitet worden sind. Dazu besichtigten die Gäste alternative Energieproduzenten im Main-Kinzig-Kreis: Windkraft-, Photovoltaik-, Wasserkraft- und Biogasanlagen. Als Kontrastpunkt stand die Besichtigung des Kraftwerks Staudinger, eines der größten konventionellen Wärmekraftwerke in Deutschland auf Steinkohlebasis. Erstaunen löste die Information aus, dass allein dieses Kraftwerk viermal mehr elektrische Energie produziert als Nicaragua insgesamt verbraucht. Die Auseinandersetzung in der Region über die geplante gigantische Erweiterung des Kohlekraftwerkes erlebte die Delegation durch ihre Teilnahme an einer Großdemonstration vor dem Kraftwerk.
Sie stellten bei den Auswertungsgesprächen fest, dass sich in Deutschland viele Menschen, Parteien, die Politik und auch die Wirtschaft mit dem Thema Klimawandel und mögliche Gegenmaßnahmen beschäftigen, darüber hinaus Deutschland aber auch im Gegensatz zu Nicaragua u.a. die finanziellen und technologischen Möglichkeiten für eine Reduzierung des CO-2 Ausstoßes habe.
Kulturelle Aktivitäten: Tradition hat seit 10 Jahren der Partnerschaft der Besuch eines der Grimm- Märchen im Rahmen der Märchenfestspiele in Hanau. Diesmal konnten die Gäste das wunderschöne Musical „ Die sieben Raben“ ( Los siete cuervos ) auf Einladung der Stadt Hanau erleben. Das Märchen wurde zuvor in spanischer Sprache gelesen und besprochen, sodass sie der Aufführung gut folgen konnten. Auch diesmal nahmen sie wieder zwei Märchenbücher in spanischer Sprache für die „ biblioteca Heinrich-Böll “ ihrer Schule mit.
Neben der Großstadt Frankfurt, Gelnhausen, Hanau standen der mittelalterliche Markt in Büdingen und die Ronneburg auf dem Besuchsprogramm. Die Gastfamilien unternahmen zusätzlich mit ihren nicaraguanischen Freunden Ausflüge und Konzert-Besuche
Einen besonderen Stellenwert für die Schulpartnerschaft hatte die Anfertigung eines Wandgemäldes ( mural ) mit Motiven aus der Kulturgeschichte Diriambas in der Heinrich-Böll-Gesamtschule . Es hat eine Größe von 3m x 2,30m und befindet sich an zentraler Stelle im Pausengang. Die Gruppe hatte den Entwurf in Diriamba zu Papier gebracht und in einer gemeinsamen Aktion in der Schule umgesetzt.
Tradition hat auch die „Noche Nicaraguense“ in der Böll-Gesamtschule. Etwa 60 Gäste, darunter auch offizielle des Main-Kinzig-Kreises, erlebten nicaraguanische Poesie, Lieder, Tänze und nicaraguanische Essensspezialitäten. In einer Powerpoint-Präsentation stellte die Delegation Diriamba und das Instituto Nacional Diriangen eindrucksvoll vor.
Das Auswertungstreffen wurde am 05. 07. von 10 bis 16 Uhr in der Ökumenischen Werkstatt in Langenselbold durchgeführt. Nach problemloser Rückkehr trafen sich die Beteiligten der Nica-AG und Gastfamilien zu verschiedenen Auswertungsgesprächen. Ein gemeinsames Treffen ist nach den Sommerferien vereinbart, um über die Erstellung einer Dokumentation des Gegenbesuches zu diskutieren.
Fazit: Für alle Beteiligten auf deutscher wie auch auf nicaraguanischer Seite war der 9. Gegenbesuch ein voller Erfolg. Die Schulpartnerschaft wurde erneut mit Leben erfüllt, vertieft und intensiviert. Inwieweit die Vorbereitung für die 12. Studienfahrt im Sommer 2008 nach Nicaragua anlaufen können, hängt davon ab, ob sich KollegInnen der Böll-Gesamtschule dafür engagieren. Beide bisher engagierten Kollegen Hilbig / Krause befinden sich im Ruhestand.
Wasserprojekt in Diriamba
Hilfe kommt an: Bericht über Wasserprojekt in Diriamba
Main-Kinzig-Kreis. Seit inzwischen 20 Jahren gibt es den Kontakt der Heinrich-Böll-Schule in Bruchköbel mit dem Instituto Nacional Diriangen in Nicaragua. Der Main-Kinzig-Kreis unterstützt diese entwicklungspolitische Zusammenarbeit mit der Region Diriamba. „In dieser Zeit haben engagierte Menschen zahlreiche Projekte auf die Beine gestellt“, sagt Landrat Erich Pipa. Herausragendes Beispiel ist die angesehene Heinrich-Böll-Bibliothek. Zuletzt entstand eine Trinkwasserversorgung für etwa 660 Personen in dem Dorf „26. Februar“.
Rund 10.000 Euro hat der Main-Kinzig-Kreis für dieses Projekt zur Verfügung gestellt, das vor Ort vom Regionalbüro Managua der GTZ (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit) begutachtet und wegen seiner Wirkung sehr gelobt wurde. Jetzt informierte eine Schülergruppe im Main-Kinzig-Forum über das Ergebnis. Alina Ringel, Anna Zachmann und Nadide Aydin erläuterten die Präsentation. Die Bilder zeigen Männer bei der Arbeit und glückliche Familien, die jetzt erstmals fließendes Wasser in ihren Häusern erleben. „Hier hat jeder Cent seinen Zweck erfüllt“, betonte Kreisbeigeordneter Fritz Schüssler, der die Gruppe stellvertretend für den Landrat begrüßte.
Unter den Gästen waren auch Schüler und Lehrer des Instituto Nacional Diriangen. „Das Wasserprojekt hat das Leben von über 100 Familien verändert“, berichtete Sebastian Mendieta. Es war bereits der 9. Gegenbesuch einer Delegation aus Nicaragua. Insgesamt nutzen rund 120 deutsche Jugendliche sowie 70 Schülerinnen und Schüler aus Diriamba die Möglichkeit zum internationalen Austausch.
„Diese Arbeit trägt Früchte“, sagten Wulf Hilbig und Wolfram Krause. Die inzwischen pensionierten Lehrer der Heinrich Böll-Schule pflegen und organisieren seit vielen Jahren den Kontakt in das mittelamerikanische Land und berichteten von einem beteiligten Ingenieur aus Diriamba, der bereits vor fast 20 Jahren an dem Partnerschaftsprojekt teilgenommen hatte. Mit seiner Arbeit wollte er jetzt etwas von den positiven Erfahrungen zurück geben.
„Der lebendige Kontakt zu Diriamba ist ein Merkmal einer engagierten Bürgergesellschaft“, sagt Landrat Erich Pipa. Der Main-Kinzig-Kreis werde zu den jährlich rund 1.000 Euro auch über weitere Zuschüsse für besondere Projekte beraten. Ein aktueller Vorschlag sei der Bau von dringend benötigten Latrinen. Mit ihrem Besuch im Landratsamt hätte die internationale Delegation bereits wichtige Argumente geliefert.



