20 Jahre HEINRICH BÖLL und NICARAGUA

20 Jahre unter dem Namen HEINRICH BÖLL

Vor 20 Jahren erhielt die ehemalige Gesamtschule Nord ihren Namen: die Heinrich-Böll-Schule. Dies war zeitgleich der Auslöser für die Gründung einer produktiven Arbeitsgemeinschaft. Denn vor 20 Jahren, am 4. Dezember 1987, wurde die Nicaragua AG an der Heinrich Böll-Schule ins Leben gerufen.

Am 4. Dezember 1987 gab sich die damalige "Nordschule" in Anwesenheit Rene Bölls, Sohn des Literaturnobelpreisträgers Heinrich Böll, dem damaligen Landrat Karl Eyerkaufer und dem Bruchköbler Bürgermeister Udo Müller ihren neuen Namen

HEINRICH-BÖLL-SCHULE.

Dies geschah im Rahmen einer akademischen Feier, die von Schülerinnen und Schülern musikalisch untermalt wurde. Das Sandstein-Signet (hier rechts im Bild) zeugt seitdem von dem neuen Namen.
Im weiteren Verlauf der Veranstaltung verlasen Schüler ein Gedicht, das Böll dem Kulturminister der Revolutionsregierung Nicaraguas, Ernesto Cardenal, gewidmet hatte. Dies stand im Zusammenhang mit der neuen

SCHULPARTNERSCHAFT MIT EINER SCHULE IN NICARAGUA,

denn am gleichen Tag wurde die Partnerschaftsurkunde mit dem „Instituto Nacional Diriangen“, der nicaraguanischen Partnerschule, unterzeichnet.

 

Bericht des "HANAUER ANZEIGER" vom 10.12.2007

Jubiläumsfeier vom 8.12.2007  Wulf Hilbig (hinten rechts) und seine Mitstreiter engagieren sich in Lateinamerika. Foto mit freundlicher Genehmigung von Maryanto Fischer, Hanauer Anzeiger (zum Vergrößern anklicken)

Das 20-jährige Jubiläum dieses Ereignisses wurde am 8.12.2007 in der Heinrich-Böll-Schule gebührend gefeiert


Mehr Infos finden sich im Bericht des HANAUER ANZEIGERs vom 10. Dezember 2007, dessen Text wir hier veröffentlichen:

Bruchköbel. Als sich die Gesamtschule 1987 den Namen Heinrich Bölls gab, verpflichtete sie sich seinem Wahlspruch „Einmischung erwünscht!“ ebenso wie seiner Hoffnung auf dauerhaften Frieden in der Welt. In der praktischen Umsetzung dieser Ideale waren die Lehrer seither stets darum bemüht, ihren Schülern interkulturelles Lernen zu ermöglichen. Auch in Einklang mit Bölls politischem Engagement etablierten sie am Tag der Namensgebung eine Partnerschaft mit einer Schule in Nicaragua. Vergangenen Freitag konnte so ein Doppeljubiläum gefeiert werden.
Den Grundstein für den Austausch legten die Lehrer Hans-Jürgen Taube, Jörg Sternberg und Wulf Hilbig bereits Anfang der 1980er Jahre, später sollten sie in ihrem Kollegen Wolfram Krause zuverlässige Unterstützung finden. Inzwischen besuchten die Deutschen Nicaragua elf Mal. Dem stehen neun Gegenbesuche gegenüber. Die nächste Studienreise für Lehrer steht im Sommer 2008 an.
Etwa 120 Jugendlichen aus den Reihen der Schule wurde es in den vergangenen zwei Dekaden ermöglicht, nach Nicaragua zu reisen, um zu erleben, wie sich die ungerechten Weltwirtschaftsstrukturen zu Lasten der Bevölkerung auswirken, denn Nicaragua gilt als Entwicklungsland. Es ist vor allem den Bemühungen der Lehrer Wulf Hilbig und Wolfram Krause zu verdanken, dass der Kontakt zum Instituto Nacional Diriangen in Diriamba nicht abriss, sondern sich im Gegenteil intensivierte. In der Nicaragua-AG fand der Austausch eine feste Institution.
Was zu Beginn als Polit-Tourismus belächelt und verteufelt wurde, hat sich längst zu einem Netzwerk aus Freundschaften entwickelt, die in vielen Fällen über die Schulzeit an der Heinrich-Böll hinauswirken. „Viele unserer Schüler haben durch das Projekt gelernt, sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen in armen Ländern einzusetzen und halten vielfach noch Kontakt zu ihren Gastfamilien“, so Hilbig. Einige seien inzwischen ehrenamtlich in entwicklungspolitischen Gruppen aktiv oder engagierten sich beruflich in Lateinamerika.
Zum Geburtstag der Patenschaft begrüßte Schulleiter Bernd Herchenröther zahlreiche Gäste, darunter Vertreter der Stadt Bruchköbel und des Fördervereins der Schule. Bürgermeister Michael Roth, der mit Grippe im Bett lag, auch seine Frau Martina ließen die herzlichsten Grüße übermitteln. Jugendliche, die an der Fahrt 2006 teilgenommen hatten, führten durch den Abend. An Stellwänden waren Bilder aus, und Informationen über Nicaragua zu sehen.
Was ihr Engagement in Nicaragua betrifft, hat die Heinrich-Böll-Schule längst ein Netzwerk aus Kooperationspartnern aufgebaut. Dazu zählen das Lichtenberg-Oberstufengymnasium, die Stadt Bruchköbel, die Stadt Hanau, der Main-Kinzig-Kreis, die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, die hessischen Ministerien für Kultur und Wirtschaft, die Evangelischen Kirchen sowie ähnlich ausgerichtete Nicaragua-Vereine bundesweit.
In der Bruchköbler Basis ist es nicht nur der gedankliche Austausch, der das Verhältnis der befreundenden Schulen bestimmt. Darüber hinaus konnten Hilfsaktionen in Bewegung gesetzt werden. Beispielsweise ging auf Initiative einer Reisegruppe aus Bruchköbel ein Scheck aus dem Main-Kinzig-Kreis nach Nicaragua, um die Trinkwasserversorgung für 660 Menschen in einem kleinen Dorf zu gewährleisten. Erst im Sommer 2007 würdigte Landrat Erich Pipa den lebendigen Kontakt zu Diriamba als Merkmal einer engagierten Bürgergesellschaft.
Aufgrund ihrer ungewöhnlichen Partnerschaft mit Nicaragua trägt die Gesamtschule übrigens den Titel UNESCO-Projekt-Schule und ist auf diese Weise mit über 6000 Schulen weltweit vernetzt. Wulf Hilbig und seine Kollegen sind um nachhaltiges Engagement bemüht. Stets werden die Reisen nach Lateinamerika inhaltlich vor- und nachbereitet.
„Wir möchten nicht nur zur Solidarität mit schwächeren Gesellschaftsmitgliedern aufrufen, sondern auch den Gedanken an die eine Welt, in der wir alle miteinander leben, aufrecht erhalten“, schrieb Lehrerin Gabriele Laas 2006 in der Dokumentation „Auf den Spuren einer Schulpartnerschaft“. Basierend auf den Forderungen der Kultusministerkonferenz in ihrer Erklärung zu „Toleranz und Solidarität“ hoffe die Heinrich-Böll-Schule, gerade über Projekte wie der Schulpartnerschaft interkulturelle Kompetenz zu vermitteln. Spanischunterricht, Unterrichtseinheiten zur Globalisierung und die Organisation von Ausstellungen sind als Früchte dieser Bemühungen zu werten.
Die Feier im Lernzentrum der Schule wurde vom brasilianischen Gitarristen Ivan Santos begleitet. In Erinnerung an die Wurzeln der Freundschaft trugen Schüler Bölls Gedicht an Ernesto Cardenal abermals öffentlich vor (siehe Info-Box). „Einmischung erwünscht!“ wird die Zukunft der Nicaragua-AG zweifellos auch in Zukunft bestimmen.Übrigens unterstützt die Heinrich-Böll-Schule über einen Stipendienfonds seit vielen Jahren junge Studenten in Nicaragua, die ohne diese Hilfe keine Universität besuchen könnten. Wer sich für die Mitarbeit in der Nicaragua-AG interessiert, oder finanzielle Hilfe leisten möchte, kann sich im Sekretariat näher über aktuelle Projekte informieren. Maryanto Fischer

 

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